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Das Deckblatt

Cigar AufbauDeckblatt ist das, was man von einer Cigarre als erstes wahrnimmt, sobald man eine Kiste öffnet und hineinschaut. Wie wichtig die Hersteller schon immer diesen ersten Eindruck nahmen erkennt man vielleicht an der Tatsache, daß es für billige, maschinengemachte Cigarren sogenannte Pudermaschinen gab, mit denen auf das Deckblatt eine gleichmäßig gefärbte Schicht aufgetragen wurde, die allen Cigarren ein absolut gleiches Aussehen verlieh.

Doch von solchen Kunstprodukten soll hier nicht die Rede sein. Das Deckblatt einer hochwertigen handgerollten Cigarre hingegen muß auf natürliche Weise das Auge des Rauchers ansprechen und zum Kauf und Genuß anregen. Daher ist das Sortieren der fertig gerollten Cigarren eine überaus verantwortungsvolle Tätigkeit, die Escogedores (Farbsortierer) sind in der Lage, dutzende von unterschiedlichen Deckblattfarben auseinander zu halten und die Cigarren farblich zueinander passend für das Verpacken in ihre Kisten vorzubereiten. Etwas 60 verschiedene Farbtöne können von diesen Cigarrenfachmännern und -frauen erkannt werden, einige wenige hocherfahrene Escogedores sollen noch mehr erkennen können.

Die Farben der Deckblätter lassen sich ganz grob in folgende Kategorien einordnen:

Claro Claro grün bis grünlich-braun ClaroClaro
Claro sehr helles, blasses Braun Claro
Colorado Claro hell bis goldbraun ColoradoClaro
Colorado goldbraun Colorado
Colorado Maduro gesättigtes, dunkles Braun ColoradoMaduro
Maduro sehr dunkles, öliges Braun Maduro
Oscuro sehr tiefes, fast schwarzes Braun Oscuro

Erreicht werden die unterschiedlichen Deckblattfarben durch die individuelle Behandlung des Tabaks nach der Ernte. So werden Double Claro Blätter früh geerntet und rasch getrocknet. Colorado Maduro Blätter hingegen reifen an der Pflanze möglichst lange aus. Die Pflanzen, die die Deckblätter liefern, werden unter Gazestoffen auf den Feldern gezogen, das heißt, sie bekommen keine direkte Sonneneinstrahlung ab, bekannt ist der Begriff "Connecticut Shade" für Deckblätter aus den USA, in Cuba nennt man sie tabaco tapado. Sehr häufig stammen bei Cigarren Deckblätter und Einlage aus verschiedenen Ländern, zu nennen sind zum Beispiel Deckblätter aus Kamerun, Indonesien, den USA oder auch von den Philippinen, die dann mit Einlagetabaken aus Honduras, der dominikanischen Republik oder Nicaragua kombiniert werden. Bei cubanischen Cigarren hingegen stammen alle Teile einer Cigarre von der Insel selber.

Öffnet man eine volle Kiste Cigarren, so sind die Deckblätter das erste, was man wahrnimmt, noch vor Geruch und erst recht vor Geschmack. Alle Cigarren in einer Kiste sollten, höchstens in ganz feinen Abweichungen, von gleicher Deckblattfarbe sein, hier ist die ganze Kunst der Escogedores, der Deckblattsortierer gefragt. Ganz feine Farbunterschiede werden zwar toleriert, aber auch hier wird noch einmal feinsortiert, so daß eine Cigarrenlage in der Kiste von rechts nach links eine äußerst feine Skala der Untertöne bildet - für unser laienhaftes Auge wohl kaum noch wahrnehmbar.

Ein Deckblatt sollte von feiner Struktur und makelloser Färbung sein, schon kleine grüne Einschlüsse, Fermentationsfehler, sollten bei hochwertigen Cigarren nicht toleriert werden. Es darf nur sehr feine Adern zeigen und tadellos um die Cigarre gewickelt sein. Das Abschlußkäppchen am Mundende muß aus dem gleichen Blatt geformt und sauber angeklebt sein. Man achte auch auf die Bauchbinde, sie muß sich bewegen lassen und darf auf keinen Fall an das Deckblatt angeklebt sein. Ein perfektes Deckblatt hat einen seidigen, leicht öligen Glanz und sollte nicht trocken ausschauen. Und natürlich darf es nicht gerissen oder sonstwie verletzt sein. Denn schon die kleinste Nebenöffnung schadet dem Zug.

Nicht einig sind sich viele Raucher, auch Cigarrenkenner, über den Einfluß des Deckblattes auf den Geschmack einer Cigarre. Völlig falsch zumindest ist der Glaube, je dunkler eine Cigarre ausschaue, um so kräftiger sei sie auch. Es kann sich durchaus in einem Madurodeckblatt eine milde Einlage verbergen. Die meisten Brasilcigarren zum Beispiel haben sehr dunkle Deckblätter, sind jedoch weitaus leichter im Aroma als eine beliebige Havana.

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